Foto:
Gedenktag 2005 für
Menschen, die Kinder und Geschwister verloren haben
Abschied im Trauerfall
"Komm gut über den Regenbogen"
Gestaltung einer persönlichen Trauerfeier für: Ole, 6 Jahre,
Wenn ein Kind stirbt ...
scheint die Ordnung des Universums durcheinander zus ein. . Ole ist einer von diesen kleinen Menschen gewesen, deren Lebensspanne nur sechs Jahre währte. Ein tragischer Unfall riß ihn an einem Dezembertag im 2005 aus diesem Leben.Seine ganze Familie wünschte sich für Ole eine persönliche Trauerfeier - ein Abschiedsfest, das diesem wunderbaren Engel gerecht wird und die Familie wollte sich einbringen.
Während des Hausbesuches besprachen wir die Details für die persönliche Trauerrede und den Ablauf der persönlichen Trauerfeier.
Berührt und beeindruckt hörte ich seiner Mutter zu, die mir ihren kleinen Tausendsassa über anderthalb Stunden beschrieb. Voller Tatendrang und Wissensdurst hatte er sich als Nesthäkchen der Familie selbstbewusst seine Welt erobert.
Trotz all des Schmerzes, der ihr Herz ergriffen hatte, zauberten die Gedanken der Erinnerung ein Lächeln auf die Lippen der Mutter. Über das Geschehen zu sprechen gelang ihr kaum. Stattdessen drückte sie mir still eine CD in die Hand: "Wohin gehst du?" Diese Musik gehörte zu den Lieblingen von Ole und sprach all das aus, wofür der Mutter die Worte fehlten.
Nach den Details für die Trauerrede besprachen wir Einzelheiten für den Ablauf der Trauerfeier-Abschiedsfeier und verfeinerten sie während der nächsten Zeit.
Foto: Georg Scharnweber
Dann brach der Tag des unwiderruflichen Abschieds an.
Die Bestatterin hatte Ole liebevoll in seinem kleinen Delphinsarg hergerichtet. Die engsten Familienmitglieder nahmen Abschied. "Das war so schwer" erzählte mir Oles Mutti später. "Doch hat geholfen. Nun können wir wirklich glauben, was geschehen ist."
Nach einer Atempause gingen sie gemeinsam in die Halle, die für die doppelte Zeit angemietet war, um in Ruhe Abschied zu nehmen und den Raum selbst zu gestalten.
Gemeinsam den Abschiedsraum für die persönliche Trauerfeier zu gestalten
Jeder hatte etwas mitgebracht, damit der Raum persönlicher wirkte: Blumen, Briefe, Kerzen und Schmetterlingsbilder. Seit alters her ein Zeichen der Wiedergeburt.Durch die Kraft der Phantasie hinter den Horizont des Todes reisen
Wenn ein Kind stirbt ist das mit unglaublicher Ohnmacht verbunden. Ein Zustand, den man meinem Gefühl nach nur mit besonderen Bildern tragbarer gestalten kann. Dazu gehört für mich auch die Kleidung. Deshalb biete ich hier Besonderes an. Die Rednerin in der Kostümierung der Geschichtenerzählerin. Oles Mutter gefiel der Gedanke gleich:"Das wäre in seinem Sinn gewesen. Das hätte er fetzig gefunden."
Als die persönliche Trauerfeier begann, öffneten sich die Türen für die Trauergemeinde. Sie traten ein und wurden Teil der Abschiedsfeier. Sie legten Blumen am Sarg nieder und zündeten ein Licht an.
Für eine ganze Weile saß eine seiner Schwestern am Sarg, um den kleinen Bruder zu beschützen.
Eine Liedermacherin leitete die persönliche Trauerfeier ein. Danach erzählte ich Oles Geschichte in der einer auf sein Leben, sein Streben und den Sinn seines Daseins orientierten und maßgeschneiderten Gedenkrede.
Einige Male unterbrach ich sie, wie mit den Angehörigen abgesprochen, für das Lied: "Wohin gehst Du".
Für Oles Mutti, seine Schwestern, seine Großeltern, den Onkel und die Tante ist der Glaube an das Leben nach dem Leben ein tiefer Trost und eine fundamentale Stütze. Oles Lieblingstante nahm all ihre Kraft zusammen und kam an das letzte Reisegefährt des kleinen Prinzen, um ihm nachzurufen:
"Denk Dir ein Bild.
Weites
Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel
Und
gleitet hinaus auf die offene See.
Du siehst, wie es kleiner
und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen
Verschwindet es.
Da sagt jemand:
"Nun ist es gegangen."
Ein anderer sagt:
"Es
kommt"
Der Tod ist ein Horizont,
und ein Horizont ist nichts anderes als eine Grenze,
unseres
Sehens.
Wenn wir um Menschen trauern,
freuen sich
andere,
ihn hinter der Grenze wieder zu sehen."
"Ole, wir wollen, das du hier
bleibst.
Du fehlst uns so."
Zum Abschluss ließen wir die Luftballons fliegen und die
die zarten Gebilde formierten sich zu einer sanften roten Wolke die noch lange, lange Zeit zu sehen waren.






